Patientenseminar 2012

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GUT LEBEN MIT NIERENINSUFFIZIENZ

Wir danken unserem Sponsor – dem MediService – herzlich für die Unterstützung!mediservice

Der VNPS lud am 8. September erneut zu einem Seminar unter dem Patronat der MediService AG, ins Novotel Zürich City West ein. Die Präsidentin Andrea Schäfer begrüsste Frau Regula Palladino, welche die Angebote der MediService / Galenica in Zuchwil vorstellte und zum Ballonwettbewerb einlud. Ebenso begrüsste sie Herrn und seine Mitarbeiterin vom Hotel Schweiger in Füssen in Deutschland, das einige Mitglieder des VNPS von einem Wanderausflug her in bester Erinnerung haben! Eine Besonderheit des ****Wellness- und Spa-Hotels: Dr. med. Martin Schweiger und seine Gattin bieten auch Ferien-Dialyse an.

PaceRace CheckübergabeAndrea Schäfer begrüsste ferner Frau Hobi von der Abbott AG. Diese überreichte  ihr und dem Kassier Thomas Hengartner z. H. des VNPS einen Check im Betrag von  Fr. 1’500.—für die Teilnahme an der Fahrrad-Sternfahrt „Pace Race“ vom 16. Juni 2012.

Die Referentin des Seminars, Frau Franziska Rohrer, Dipl. Ernährungsberaterin HF am Kantonsspital Winterthur, betonte, welch hohen Stellenwert unter dem Motto „Gut leben mit Niereninsuffizienz“ eine gesunde Ernährung hat. Sie wies auf neue Erkenntnisse hin, die zeigen, dass es keine für alle Patienten allgemein gültigen Rezepte gibt. Wichtig ist eine auf die einzelne Person abgestimmte Ernährung.

Frau Rohrer erwähnte, dass in der Schweiz bereits jeder 5. Patient bei Spitaleintritt Anzeichen einer Mangelernährung aufweist. Schon nach wenigen Wochen unzureichender oder einseitiger Nahrungsaufnahme zeigen sich Auswirkungen. Diese betreffen nicht nur Untergewichtige. Eine chronische Nierenerkrankung birgt das Risiko für eine Mangelernährung. Im Stadium vor der Dialyse geschieht dies z.B. durch Urämie oder eine zu starke Reduktion der Eiweisszufuhr. Nach einer Transplantation ist der Energie- und Eiweissbedarf deutlich gesteigert. Wenn dieser Bedarf nicht gedeckt wird, kommt es in erster Linie zu einem Muskelverlust. Dieser bedingt nicht immer einen Gewichtsverlust, so dass der Mangelzustand zu Beginn unbeachtet bleiben kann. Ein guter Ernährungs-Zustand ist wichtig für den Verlauf einer Erkrankung. Ein gewisses Übergewicht scheint bei akuten und chronischen Erkrankungen eher Schutz zu bieten.

Als Ursachen für die Mangelernährung  bei chronischer Niereninsuffizienz nannte Frau Rohrer die folgenden:Ernährung für Dialysepatienten

– Mangelnder Appetit, Übelkeit und Erbrechen als Symptome der Urämie

– Mundtrockenheit

– Müdigkeit

– Nebenwirkungen durch Medikamente, wie veränderte Geschmackswahrnehmung

– Schmerzen

– Angst vor Gewichtszunahme

– Unnötige Ernährungsrestriktionen

– Erhöhter Energie- und Eiweissbedarf nach Transplantation und durch eine

chronische Entzündungsreaktion im Körper

– Erhöhter Druck im Bauchraum durch Peritonealdialyse, Völlegefühl, Übelkeit

– Erschöpfung oder Kreislaufprobleme nach der Dialyse

– Verlust von Nährstoffen (Eiweiss / wasserlösliche Vitamine) während der Dialyse

Die Symptome und ihre Folgen bilden einem Teufelskreis: Appetitlosigkeit → reduzierte Nahrungszufuhr → Gewicht- und Muskelverlust  → Schwäche → reduzierte Immunabwehr → Krankheiten → fehlender Appetit → etc. Diesen Kreis gilt es zu durchbrechen. Gut abgestimmte Ernährung kann dabei helfen.

Zur Prävention und Behandlung der Mangelernährung empfahl die Referentin:

– Gute Dialyse-Qualität sicherstellen

– Ausreichende Energie- und Eiweisszufuhr

– Einsatz von Dialvit (wasserlösliche Vitamine) mindestens 3x pro Woche

– Einsatz von mehreren kleinen Mahlzeiten pro Tag

– Anreicherung der Mahlzeiten, z. B. mit Fett (Butter, Rahm) oder mit Zuckerarten

(Honig, Zucker, Maltodextrin) sofern kein Diabetes besteht

– Einsatz von Trinknahrungen (heutzutage mit verbessertem Geschmack)

– Einsatz künstlicher Nährlösungen via Ernährungssonde oder direkt in die Vene,

wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind

Bei Risiko oder Anzeichen einer Mangelernährung empfahl Frau Rohrer, mit dem Arzt / dem Nephrologen über die Anmeldung zu einer Ernährungsberatung zu reden. Im Gespräch mit einer diplomierten Ernährungsberaterin können individuell sinnvolle Massnahmen herausgefunden werden.

Die Referentin verteilte Listen mit den zu vermeidenden Kalium-, Phosphat- und Salz-„Bomben“, ergänzt mit Hinweisen, wodurch diese ersetzt werden können. Eine Zusammenstellung über das Würzen mit Kräutern, das anregt, schmackhafte Rezepte einfach umzuwandeln, rundete das Referat ab. Um die Fülle der Tipps und Empfehlungen hier aufzuführen, fehlt leider der Platz.

In den Übungen, die auf den Vortrag folgten, zeigte sich ganz praktisch, wie man relativ leicht die ungünstigen Nahrungsmittel durch verträglichere ersetzen kann. Es braucht dazu nicht einmal zwingend ein Diätkochbuch. Frau Rohrer ermunterte zu einem kreativen Umgang mit Kochbüchern, wie z. B. jene von Betty Bossi, die im Alltag im Gebrauch sind, und zum mutigen Ausprobieren. Bei guten Blutwerten sind ja auch mal Ausnahmen erlaubt, wie z.B. ein Restaurantbesuch, wo meistens zu salzig gegessen wird. Da kann etwa als nächste Mahlzeit eine Süssspeise gewählt werden. Es muss nicht stets auf alles, was man gerne mag, verzichtet werden. Abwechslung im Menuplan fördert die Freude am Essen, was wiederum die Lebensqualität erhöht.

In der Fragerunde zeigte sich, dass Frau Rohrer aus der Fülle ihrer Erfahrungen noch manchen Tipp hätte geben können. Doch die Zeit war fortgeschritten, ein feines Mittagessen wartete. Schade, dass an diesem informativen und anregenden Seminar nicht mehr Interessierte teilnehmen mochten!

Marlyse Lötscher

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