Hautprobleme

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Hautkrebs nach Organtransplantation

weitere Informationen zum Thema finden Sie auch unter:
www.dermaguard.ch 

Verfasser (Beitrag für CEAPIR)

Dr. Günther Hofbauer
Dermatologische Klinik
Universitätsspital Zürich
Gloriastrasse 31
8091 Zürich
hofbauer@usz.ch

Der weiße Hautkrebs tritt mit dem Alter bei der weißen Rasse zunehmend auf. Für die allgemeine Bevölkerung in den Industrieländern wird das Lebenszeitrisiko, einmal einen weißen Hautkrebs zu entwickeln, auf eins zu sieben bis zu eins zu 30 geschätzt. Wir alle laufen daher bereits ein relativ hohes Risiko, einmal in unserem Leben weißen Hautkrebs, der medizinisch entweder Basalzellkarzinom oder spinozelluläres Karzinom der Haut genannt wird, zu entwickeln.

Der weiße Hautkrebs entsteht dabei fast immer auf sonnengeschädigter Haut. Durch die tagtägliche Belastung mit Tageslicht auf der unbedeckten Haut im Gesicht, am Hals und an den Handrücken entstehen braune Altersflecken, Falten und dünne Haut. Mit den Jahren unterscheidet sich so die unbedeckte, der Sonne ausgesetzte Haut deutlich von anderen Körperstellen wie dem Gesäß, das meist viel weniger Veränderungen zeigt und dadurch jünger wirkt. Diese typischen Altersveränderungen werden auch begleitet von sonnenbedingten Schäden an der Erbsubstanz der Stachelzellen der Haut. Mit der Zeit bilden sich rote Flecken mit etwas harter Schuppung aus, die unregelmäßigen Zellen auf dem Weg von normaler Haut hin zu einem weißen Hautkrebs entsprechen. Der medizinische Begriff für diese Vorläuferveränderungen ist „aktinische Keratose“, was übersetzt lichtbedingte Schuppung bedeutet und das Bild dieser Veränderung gut beschreibt. Einige dieser Veränderungen entarten im Verlauf der Zeit weiter und werden zu weißem Hautkrebs, der dann aus der Haut über Monate und Jahre langsam in die Tiefe hinunter wächst.

Unsere Körperabwehr beschäftigt sich neben der Verteidigung des Körpers gegenüber Erregern wie Bakterien, Viren oder Pilzen auch mit der Überwachung der normalen Körperzellen. Dabei entfernt die Körperabwehr veränderte, entartete Zellen rasch und nachhaltig. Auch wenn Unsere Körperabwehr im Alter in dieser Funktion nachlässt, hilft Sie uns doch, über Jahrzehnte hinweg, Krebszellen in ihrer Entstehung zu bekämpfen und somit die Ausbildung von Krebs zu verhindern. Deutlich sichtbar wird dies eigentlich erst bei Erkrankungen, die die Körperabwehr betreffen: Angeborene Schwächen der Körperabwehr führen oft zu frühzeitiger Entstehung verschiedener Krebsarten, die für Patienten bereits im frühen oder mittleren Lebensalter tödlich werden können.

Neben angeborenen Schwächen der Körperabwehr gibt es auch erworbene Schwächen. Durch Infektion zum Beispiel kommt es bei HIV zu einem geschwächten Immunsystem, das wiederum eine gehäufte Entstehung von Krebs ermöglicht. Eine andere Konstellation betrifft die Nebenwirkungen von ärztlicher Behandlung: Patienten, die eine Organverpflanzung im Rahmen einer Nieren, Herz, Lungen oder Lebertransplantation erhalten, müssen lebenslang Medikamente einnehmen, die ihre Körperabwehr soweit bremsen, dass sie das verpflanzte Organ nicht abstößt.

Diese Unterdrückung der Körperabwehr durch Medikamente erhält aber nicht nur das verpflanzte Organ am Leben, sondern bremst auch die Erkennung und Abwehr von Erregern und entarteten, körpereigenen Zellen. Damit sind bei diesen Patienten deutlich häufiger Infektionen und mit der Zeit auch Krebs zu beobachten. Interessanterweise sind nicht alle Krebsarten gleich häufig: Die Rangliste der häufigsten Krebsarten unter medikamentenbedingter Unterdrückung der Körperabwehr wird angeführt von dem weißen Hautkrebs.

Wir glauben, dass gerade das Zusammenspiel von Sonnenschaden auf unbedeckter Haut und eingeschränkter Körperabwehr durch die fortgesetzte Medikamenteneinnahme zu der dramatischen Häufung von weißem Hautkrebs bei Organtransplantierten führt. Zusätzlich findet sich häufig eine Besiedlung der Haut mit humanen Papillomviren, die die Erreger von Warzen sind. Neben Warzen können Papillomviren aber auch die Erbsubstanz von Zellen verändern und so die Entstehung von Krebs begünstigen. Gut bekannt ist diese Eigenschaft von Papillomviren beim Gebärmutterhalskrebs; beim weißen Hautkrebs bei Organtransplantierten glaubt man an ähnliche Wirkweisen.

Die Organtransplantation hat sich in den letzten Jahrzehnten zu einer Erfolgsgeschichte der modernen Spitzenmedizin entwickelt. Die Auswahl von geeigneten Spendern, chirurgische Techniken, verbesserte Betreuung und Medikamente zur Unterdrückung der Körperabwehr haben sich so entwickelt, dass gerade bei Nierentransplantation heute jahrzehntelange, erfolgreich funktionierende Transplantate keine Seltenheit mehr sind. Dieser Erfolg bringt allerdings erst jetzt auch die langfristigen Folgen von jahrelanger Unterdrückung der Körperabwehr durch Medikamente zum Vorschein. An der Spitze steht, wie oben erwähnt, der weiße Hautkrebs, der wahrscheinlich 60 mal bis 100 mal häufiger bei Organtransplantierten als bei der allgemeinen Bevölkerung auftritt. Im Gegensatz zu allgemeinen Bevölkerung, wo der weiße Hautkrebs meist eher eine technische Herausforderung für den Chirurgen als eine lebensbedrohliche Erkrankung darstellt, liegt die Situation bei Organtransplantierten etwas anders. Ein kleiner, aber namhafter Teil der Patienten entwickelt Ableger, das heißt Metastasen von weißem Hautkrebs. Die Entwicklung von Ablegern führt dazu, dass der weiße Hautkrebs sich von einer lästigen örtlichen Angelegenheit zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung entwickelt.

In der Betreuung von organtransplantierten Patienten haben wir daher gelernt, dass mit guter Aufklärung zur Vorbeugung von Hautkrebs und einer frühen Erkennung von bereits entstandenem weißen Hautkrebs viel erreicht werden kann. So kann der Erfolg der Transplantation und das langfristige Überleben des Patienten unterstützt werden. Zu diesem Zweck sind in den letzten Jahren an vielen Hautkliniken  Spezialsprechstunde geöffnet worden, die sich Organtransplantierten Patienten widmen. Einerseits wird die Aufklärung von Patienten großgeschrieben: es wird betont, dass durch angepasstes Verhalten, langärmelige Kleidung und die tägliche Anwendung von Sonnencreme auf unbedeckter Haut der Sonnenschaden besonders auf lange Frist hinaus deutlich reduziert werden kann. Dadurch sind später auch weniger Fälle von weißem Hautkrebs zu beobachten. Zusätzlich werden die Patienten in der Früherkennung von weißem Hautkrebs unterrichtet: jede schlecht heilende Wunde oder jedes neu auftretende Knötchen, das über vier Wochen besteht, sollte einem Hautarzt gezeigt werden. Manche Patienten leiden an ausgeprägter Entstehung von weißem Hautkrebs und zeigen 10 bis 20 Fälle oder mehr von weißem Hautkrebs im Jahr. Bei diesen Patienten wird versucht, die weitere Entstehung von Hautkrebs durch den Wechsel der Medikamente zur Unterdrückung der Körperabwehr zu bremsen. Ebenso können Abkömmlinge von Vitaminen zum Einsatz kommen, die langsameres Wachstum und eine bessere Reifung der Haut begünstigen und so der Entstehung von weißem Hautkrebs entgegenwirken.

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